Hochwasserschutz in Mainz-Laubenheim

(uf - Mainz-Laubenheim) Mit dem Mainz-Laubenheimer Ortsbeirat und Unternehmer Dipl-Ing. Heinrich Webler verfügt der Stadtteil über einen ausgewiesenen Experten in Sachen Hochwasserschutz. Webler selbst war beim Polder Laubenheim 1995-96 in die Vorplanung eingebunden.

Als Planungschef für die die Konzeption und den Bau des Polders Ingelheim sowie diverse vergleichbare Projekte hat sich Webler überregional einen Namen gemacht

Grund genug, aus aktuellem Anlaß kompetente Informationen zu erfragen.

Heiner Webler

Herr Webler, wie schätzen Sie die aktuelle Hochwassersituation für Mainz-Laubenheim ein?

Webler: Der Oberrhein führt nur ein kleineres Hochwasser, das unsere Deiche in Mainz nicht gefährdet. Der Polder Laubenheim wird nicht geflutet. Der Rhein wird erst im Mittelrheintal und nach der Moselmündung in Koblenz stärker durch Hochwasser betroffen.

Nach welchen Regeln kommt es bei uns in Laubenheim zu einer Flutung der Polder? 

Webler: Bei Erreichen eines Abflusses von 6.000 Kubikmeter pro Sekunde oder Erreichen von rund 7 m am Pegel Mainz wird der Polder geflutet. Das kann statistisch gesehen alle 20 Jahre bzw. fünfmal  pro Jahrhundert vorkommen.

Inwiefern wirkt sich auf die Sicherheit aus, dass noch nicht alle Polder stromabwärts und stromaufwärts fertiggestellt sind?

Webler: Eine absolute Sicherheit vor Hochwasser gibt es nicht. Auch nach Fertigstellung aller Polder können Extremereignisse auftreten, die zur akuten Gefährdung der Rheinanlieger führen. Die Polder sind zu 50 % fertig gestellt. Das heißt, dass von dem Ziel rund 300 Mio Kubikmeter Retentionsraum zu schaffen bereits 150 Mio Kubikmeter aktiviert werden können. Der Sicherheitsgewinn gegenüber dem Status Quo vor 10 Jahren ist beträchtlich. 

Nach Inbetriebnahme aller Polder gibt es einen Schutz bis zum 200-jährlichen Hochwasser (HQ200). 

Wie wird in Rheinland-Pfalz mit dem Extremhochwasser verfahren?

Webler: Das Land plant zwei Reserveräume für Extremhochwasser, die bei Überschreiten des HQ200 in Aktion treten und die Hochwasser dämpfen. Darüber hinaus werden flächendeckende Hochwasserrisikomanagementpläne erstellt, die die Beratung der Bürger zum Ziel haben: Dem Hochwasser mehr Aufmerksamkeit schenken, der Hochwassergefahr auch hinter dem Deich bewusst werden, Vorsorgemaßnehmen wie z.B. Hochwasser angepasstes Bauen oder Risikovorsorge (Versicherung), Senken des Schadenspotenzials in der Bebauung auch hinter dem Deich, Informationsvorsorge und Handlungsanleitungen für den Hochwasserfall und die Nachsorge.

Das Interview hat Ulrich Frings mit Heiner Webler am 11.01.2011 geführt.